Hintergrund-Informationen

Das Virus

Das für die aktuelle Coronavirus-Epidemie verantwortliche Virus heißt genau SARS-CoV-2. Es verursacht nach aktuellem Kenntnisstand die Erkrankung COVID-19 (für die englische Bezeichnung “Corona virus disease 2019”).

Die gerade benutzte Bezeichung “Coronavirus” ist eigentlich zu allgemein, da es sehr viele verschiedene Coronaviren gibt, die auch noch unterschiedlich krankmachend sind. Wichtig an der Bezeichnung ist aber, dass sie die besondere Form des Virus ausdrückt (siehe Abbildung 0.2): bei genauem hinsehen kann man erkennen, das von der Hülle des Virus kleine Spitzen nach außen ragen und so eine Art Kranz (lat: corona) bilden.

Elektronenmikroskopische Darstellung des Coronavirus **SARS-CoV-2**; by NIAID Rocky Mountain Laboratories (RML), U.S. NIH - https://www.niaid.nih.gov/news-events/novel-coronavirus-sarscov2-images, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=87089605

Figure 0.2: Elektronenmikroskopische Darstellung des Coronavirus SARS-CoV-2; by NIAID Rocky Mountain Laboratories (RML), U.S. NIH - https://www.niaid.nih.gov/news-events/novel-coronavirus-sarscov2-images, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=87089605

Der Infektionsweg

Seit dem 20. Januar 2020 wurde immer deutlicher, dass sich das Virus von Mensch zu Mensch weiterverbreitet [1] und man weiß inzwischen, dass der Hauptübertragungsweg über Tröpchen – also Niesen und Husten – erfolgt. So liegt die Entfernung bei einer typischen Ansteckung von Mensch zu Mensch bei bis zu zwei Metern.

Allerdings hat man auch im Stuhl von infizierten Patienten Viruspartikel nachweisen könnnen [2]. Ob das bedeutet, dass das Virus auch über den Stuhl verbreitet werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt (siehe Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung https://www.infektionsschutz.de/coronavirus-sars-cov-2.html).

Theoretisch (!) ist es möglich, dass man sich bei Menschen ansteckt, die sich selbst schon angesteckt haben, aber noch nicht oder nicht erkrankt sind. Dies ist aber noch nicht bewiesen [3] und die Weltgesundheitsorganisation geht aktuell davon aus, dass dieser Übertragungsweg wahrscheinlich keine große Rolle spielt [4].

Wenn man Kontakt mit erkrankten Menschen hatte und sich der Virus auf einen selbst übertragen hat, kann es bis zu 14 Tage dauern, bis man an COVID-19 erkrankt. In den meisten Fällen treten aber die ersten Krankheitssymptome innerhalb von 3-6 Tagen auf [1]. Die meisten Patienten erkranken nach 5 Tagen [5].

Generell muss man aber sagen, dass die Wahrscheinlichkeit, mit SARS-CoV-2 in Kontakt zu kommen, noch sehr gering ist. So sind z.B. in China aktuell ca. 67.000 Fälle in einem Gebiet mit ca. 57 Millionen Einwohnern bestätigt (Stand 01.03.2020). Dies bedeutet, dass selbst in diesem hochgradig betroffenen Gebiet, in dem die Bevölkerungsdichte ungefährt so hoch wie in NRW ist, bei weniger als jedem 850. Bürger eine bestätigte Erkrankung vorliegt!

Vorbeugung

Info-Poster der CDC, verfügbar unter: https://www.cdc.gov/handwashing/pdf/keep-calm-wash-your-hands_8.5x11.pdf

Figure 0.3: Info-Poster der CDC, verfügbar unter: https://www.cdc.gov/handwashing/pdf/keep-calm-wash-your-hands_8.5x11.pdf

Generell wird im Augenblick (Stand 09.03.2020) in Deutschland das Ziel verfolgt, einzelne Infektionen so früh wie möglich zu erkennen und die weitere Ausbreitung des Virus dadurch so weit wie möglich zu verzögern.

Es geht darum, Zeit zu gewinnen, damit sich z.B. Krankenhäuser, Altenheime, Rettungsdienste und öffentliche Einrichtungen für eine weitere Ausbreitung besser vorbereiten können.

Auch soll ein Zusammentreffen mit der aktuell in Deutschland laufenden Influenzagrippe-Welle soweit wie möglich vermieden werden. Dies würde die oben genannten medizinischen Versorgungsstrukturen sehr belasten.

Die Impfung

Gegen COVID-19 steht momentan kein Impfstoff zur Verfügung. Aufgrund der aktuell rasanten Ausbreitung des Virus ist im Augenblick auch nicht damit zu rechnen, dass der Impfstoff rechtzeitig und in ausreichenden Mengen hergestellt werden wird.

Zudem würde zuerst das Gesundheitspersonal von Krankenhäusern, Rettungsdiensten, Altenheimen etc. geimpft werden, damit diese 1.) arbeitsfähig bleiben und 2.) nicht selbst die Erkrankung weiter verbreiten.

Hygienisches Verhalten

Wie bei der Influenza-Grippe gelten hygienische Verhaltensmaßnahmen, die vor allem das Übertragen der Viren durch infektiöse Tröpchen verhindern sollen [inhaltlich übernommen aus: UpToDate, “Patient education: Coronavirus disease 2019 (COVID-19) (The Basics)”].

… allgemein

Sie können sich schützen, indem Sie Ihre Hände häufig mit Wasser und Seife waschen. In öffentlichen Toiletten sollten Sie sich dafür möglichst Waschbecken mit Wasserhähnen aussuchen, die man nicht zudrehen muss. Konkret sollten Sie das Händewaschen folgendermaßen durchführen:

  • Befeuchten Sie Ihre Hände und nehmen Sie die Seife. Wenn keine Seife vorhanden ist, sollten Sie trotzdem auch die Hände waschen.
  • Reiben Sie Ihre Hände mindestens 20 Sekunden lang aneinander. Achten Sie darauf, Ihre Handgelenke und Fingernägel und auch zwischen den Fingern zu reinigen.

  • Spülen Sie Ihre Hände mit Wasser ab.

  • Trocknen Sie Ihre Hände mit einem Papierhandtuch, das Sie wegwerfen können.

  • In öffentlichen Toiletten sollten Sie zum Schließen des Wasserhahns ein Einweghandtuch oder Ihren Ellenbogen benutzen. Dies ist bei Wasserhähnen, die man zudrehen muss, nicht trivial. Deshalb sollten Sie sich möglichst Wasserhähne mit Automatik oder einem Einhand-Hebel aussuchen (siehe oben).

  • Auch das Verlassen des Bades muss gelernt sein: Bitte öffnen Sie die Klinke der Tür mit einem Einweghandtuch

  • Anschließend kommt das Einweghandtuch natürlich in den Abfall.

Wenn Sie sich nicht in der Nähe eines Waschbeckens befinden, können Sie ein Handgel verwenden, um Ihre Hände zu reinigen. Gele mit Alkohol funktionieren am besten. Generell ist es aber besser, sich – wenn möglich – mit Wasser und Seife zu waschen.

… bei erkrankten Angehörigen

Wenn jemand bei Ihnen zu Hause COVID-19 hat, sollten Sie folgendes tun, um sich zu schützen:

  • Halten Sie die kranke Person weg von anderen – Der Patient sollte in einem separaten Raum bleiben und wenn möglich ein separates Badezimmer benutzen.
  • Benutzen Sie Gesichtsmasken (Mund-Nase-Schutz)
    • Die erkrankte Person sollte eine Gesichtsmaske tragen, wenn sie sich im selben Raum wie andere Personen befindet.
    • Wenn Sie die kranke Person pflegen, können Sie sich auch durch das Tragen einer Gesichtsmaske schützen, wenn Sie sich im Raum aufhalten. Dies ist besonders wichtig, wenn die kranke Person keine Maske tragen kann.
  • Seien Sie besonders vorsichtig im Umgang mit Körperflüssigkeiten
    • Wenn Sie mit Blut, Schleim oder anderen Körperflüssigkeiten der kranken Person in Kontakt kommen können, tragen Sie eine Einweg-Gesichtsmaske, einen Kittel und Handschuhe.
    • Wenn Körperflüssigkeiten Ihre Haut berühren, waschen Sie sich sofort die Hautstelle und die Hände mit Seife.
  • Putzen / Reinigen Sie häufig
    • Besonders wichtig ist es, Gegenstände zu reinigen, die viel berührt werden. Dazu gehören Theken, Nachttische, Türgriffe, Computer, Telefone und Badezimmeroberflächen.
  • Händewaschen: Waschen Sie Ihre Hände oft mit Wasser und Seife.

Es kann sein, dass sich die Empfehlungen ändern, desto mehr man über das Virus in Erfahrung bringt. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Arzt oder den Gesundheitsbehörden, um die aktuellsten Informationen zu erhalten, wie Sie sich schützen können.

Desinfektionsmittel

Desinfektionsmittel helfen nur gegen Viren, wenn sie mindestens als “begrenzt viruzid” eingestuft worden sind.

Es reicht also nicht, wenn z.B. auf dem Desinfektionsmittel steht, dass es “über 99 % der Bakterien” abtötet. Für eine Wirksamkeit gegen Viren müssen diese immer auch benannt werden. Dafür sind die entsprechenden Desinfektionsmittel in “begrenzt viruzid”, begrenzt viruzid PLUS" und “viruzid” eingeteilt. Alle drei Arten töten Coronaviren, also auch SARS-CoV-2 ab.

Im normalen Umgang mit der augenblicklichen Situation ist das Händewaschen aber vollkommen ausreichend. Dies liegt daran, dass die grundsätzliche Wahrscheinlichkeit mit dem Virus in Kontakt zu kommen schon sehr niedrig ist.

Impfung gegen andere Erkrankungen

“Wir empfehlen vor allem alten oder immunsupprimierten Menschen dringend, sich impfen zu lassen”, sagte der Chef des Robert Koch-Institutes (RKI), Lothar Wieler, am 27.02.2020 auf einer Pressekonferenz.

Er meint damit Impfungen gegen die Influenza-Grippe oder auch gegen Pneumokokken (das sind Bakterien, die ebenfalls eine Lungenentzündung auslösen können).

Die Erkrankung

Für einen selbst beginnt die Erkrankung typischerweise mit Fieber und evtl. Husten [6]. Der weitere Erkrankungsverlauf wird in mild, schwer und kritisch eingeteilt, wobei der milde Verlauf mit großem Abstand am häufigsten ist (siehe Abbildung 0.4).

Häufigkeit der verschiedenen Verlaufsformen von COVID-19

Figure 0.4: Häufigkeit der verschiedenen Verlaufsformen von COVID-19

81 von 100 Erkrankten haben einen milden Verlauf der Erkrankung. Das bedeutet, dass sie keine Anzeichen für eine Lungenentzündung oder wenn überhaupt milde Anzeichen haben.

14 von 100 Patienten haben dagegen einen schweren Verlauf, was bedeutet, dass sie vor allem Probleme mit dem Atmen haben. Die Patienten haben Luftnot, atmen häufiger als 30 mal pro Minute und haben durch die Luftnot weniger Sauerstoff im Blut (dies wird vom Gesundheitsdienst im Krankenhaus oder Rettungswagen gemessen).

5 von 100 Patienten erkranken kritisch. Das heißt, dass die Atmung versagt und/oder andere lebenswichtige Organe (Niere, Leber, …) versagen.

Nach Angaben der WHO scheint die Genesungszeit bei milden Infektionen etwa zwei Wochen und bei schweren Erkrankungen drei bis sechs Wochen zu betragen.

Erkrankungen in Deutschland

Nachfolgend finden Sie die von Deutschland gemeldeten Erkrankungszahlen (Abbildung 0.5):


Bestätigte Fälle von COVID-19 in der Bundesrepublik Deutschland (im Jahr 2020)

Figure 0.5: Bestätigte Fälle von COVID-19 in der Bundesrepublik Deutschland (im Jahr 2020)

Erkrankungen in Europa

„Europe has now become the epicenter of the pandemic“ (Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO, 14.03.2020)

Europa hat inzwischen (Stand 14.03.2020) täglich mehr neue bestätigte SARS-CoV-2-Fälle als zur Spitze der Epidemie in China (siehe Abb. 0.6).

Bestätigte Fälle von COVID-19 in der EU (im Jahr 2020)

Figure 0.6: Bestätigte Fälle von COVID-19 in der EU (im Jahr 2020)

Um die Entwicklung adäquat abzubilden zeigt Abbildung 0.7 die aktuellen Fälle pro Tausend Einwohner in der EU:

Bestätigte Fälle von COVID-19 in der EU (im Jahr 2020)

Figure 0.7: Bestätigte Fälle von COVID-19 in der EU (im Jahr 2020)

Gefährdung

In einem am 24. Februar 2020 erschienen Artikel im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA, [6], Daten aus [7]) wurde erstmalig anhand großer Fallzahlen beschrieben, wie groß die Gefährdung der Menschen durch COVID-19 konkret ist.

Bei insgesamt 44.672 bestätigten Fällen (bis zum 11. Februar 2020) wurden Erkrankungsverläufe berichtet und Todesfälle gezählt.

Diese sehen wie folgt aus:

Gefährdung bei Erkrankung an COVID-19
in China bis zum 11. Februar 2020
Alter Bestätigte Fälle Tod Todesanteil
0 bis 9 Jahre 416 0 0 %
10 bis 19 Jahre 549 1 0,2 %
20 bis 29 Jahre 3619 7 0,2 %
30 bis 39 Jahre 7600 18 0,2 %
40 bis 49 Jahre 8571 38 0,4 %
50 bis 59 Jahre 10008 130 1,3 %
60 bis 69 Jahre 8583 309 3,6 %
70 bis 79 Jahre 3918 312 8,0 %
über 80 Jahre 1408 208 14,8 %
Quelle: The Epidemiological Characteristics of an Outbreak of 2019 Novel Coronavirus Diseases (COVID-19) — China, 2020; weekly.chinacdc.cn

Dabei waren über 80 % der Verläufe mild (36.160 Fälle), jeder siebte Fall schwer (6.168 Fälle) und jeder zwanzigste Fall kritisch (2.087 Fälle).

Insgesamt sind 2.3% der Patienten (1.023 Menschen) gestorben. Bei Männern lag die Sterblichkeitsrate bei 2,8 % (653 Menschen), während sie bei Frauen bei 1,7 % (370 Menschen) lag. Die meisten tödlichen Fälle sind bei Patienten mit fortgeschrittenem Alter oder zugrunde liegenden medizinischen Grunderkrankungen (wie z.B. Diabetes) aufgetreten.

So stirbt von den erkrankten Patienten bis zum 50. Lebensjahr maximal jeder 250. Patient. Ab dem 51. Lebensjahr steigt die Sterblichkeit von jedem 77. auf jeden 7. Patienten (für erkrankte Patienten über 80 Jahre) an.

So kann man zusammenfassend sagen, dass vor allem ältere Menschen ab 60 (Todesfall bei jedem 28. erkrankten Patienten), Männer und Personen mit Vorerkrankungen nach derzeitigem Erkenntnisstand besonders gefährdet sind.