1 KLARTEXT

Tacheles für Hartgesottene

“Wir sind in einer Situation die außergewöhnlich ist, in jeder Beziehung […]” (Angela Merkel, Bundeskanzlerin, 12.03.2020)

Damit Sie die Bedeutsamkeit der Coronavirus-Pandemie erfassen können und für sich oder andere entsprechende Argumente haben, folgt hier eine Auflistung der relevanten Punkte:

1.1 Verbreitung des Virus

Wir haben es mit einem sog. “dynamischen Ausbruchsgeschehen” zu tun. Aufgrund der nicht vorhandenen Impfmöglichkeiten breitet sich das Virus ungehemmt aus und so ist es das Ziel, eben diese Ausbreitung zu verlangsamen. Das bedeutet, dass fast alle Menschen diese Infektion bekommen werden. Es geht darum, die Anzahl der schweren Erkrankungen pro Woche so zu verringern, dass die Krankenhäuser damit fertig werden können.

Der entscheidende und aktuell auch wichtigste Übertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion, also über Anhusten, Anniesen und Händeschütteln. Dementsprechend sollte “wo immer es möglich ist, auf Sozialkontakte verzichtet werden […]” (Angela Merkel).

Dies bedeutet “auch […] Verzicht auf alle nicht notwendigen Veranstaltungen unter 1.000 Teilnehmern […]” und damit sind natürlich auch Kneipenveranstaltungen, größere Familienfeiern, etc. gemeint!

1.2 Schutzmaßnahmen

Da es bis jetzt weder eine Impfung noch ein Medikament gegen SARS-CoV-2 gibt, bleiben wenige Optionen, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern:

  • Verhinderung der Tröpfchenübertragung durch
  • Schutz des medizinischen Personals
    • Versorgung der Schwestern, Pfleger und Ärzte mit Schutzmasken etc.
    • Verminderung der Viruslast durch das Tragen von Schutzmasken durch die Erkrankten (sofern bei Atemnot möglich)
    • kein unnötiger Verbrauch von Desinfektionsmittel und Schutzmasken durch Gesunde (> die sollen Hände waschen!)

1.3 Wie ist die aktuelle Lage?

Sicher betreffen uns die augenblicklichen Zustände in Italien als europäisches Nachbar- und beliebtes Urlaubsland besonders. Dementsprechend finden Sie in Abbildung 1.1 den Vergleich der Erkrankungszahlen.

Bestätigte Fälle von COVID-19 in Deutschland und Italien

Figure 1.1: Bestätigte Fälle von COVID-19 in Deutschland und Italien

Da Italien aber weniger Einwohner als Deutschland hat, ist es natürlich wichtiger, die Erkrankungszahlen im Verhältnis zur Einwohnerzahl zu betrachten. Deswegen sind in der unteren Abbildung 1.2 die Erkrankungsfälle pro tausend Einwohner aufgeführt. Um diese Zahlen besser deuten zu können haben wir noch die entsprechenden Maßnahmen der Regierungen als horizontale Linien eingefügt.

Bestätigte Fälle von COVID-19 in Deutschland und Italien und die entsprechenden Maßnahmen

Figure 1.2: Bestätigte Fälle von COVID-19 in Deutschland und Italien und die entsprechenden Maßnahmen

1.4 Zu erwartende Todeszahlen

Man geht im Augenblick davon aus, dass ca. 60-70 % der Bevölkerung innerhalb der nächsten beiden Jahre von dem Virus infiziert werden können. Die Fall-Verstorbenen-Anteil einer nachgewiesenen COVID-19-Infektion wird bei einem intakten Gesundheitswesen im Augenblick mit ca. 0,7 % beziffert.

Hier interessiert uns aber viel mehr die sog. Letalität (die “Tödlichkeit”, beschreibt die Anzahl der verstorbenen Fälle als Anteil der Zahl der erkrankten Fälle) von COVID-19. Also auch von den erkrankten Fällen, die nicht getestet worden sind. Man nimmt an, dass die Zahl der erkrankten Fälle um einen Faktor 4,5–11,1 unterschätzt wird (siehe RKI). Bei einem Faktor 7 läge die Letalität bei ca. 0,1 %.

Dies bedeutet unter den aktuellen Bedingungen, dass wir im Rahmen dieser Pandemie in Deutschland mit ca. 50.000 zusätzlichen Toten zu rechnen haben. Für die Europäische Union (ca. 450 Millionen Einwohner) wären das ca. 270.000 zusätzliche Tote.

Dies sind mehr Tote als bei den beiden Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki am Ende des 2. Weltkriegs (ca. 129.000 bis 226.000 Opfer, Quelle: WIKIPEDIA)!

Explosion einer Atombombe, aus WIKIPEDIA, gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1041137

Figure 1.3: Explosion einer Atombombe, aus WIKIPEDIA, gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1041137

1.5 ABER …

Bei dem Virus SARS-CoV-2 handelt es sich NICHT um EBOLA!

Wir wollen damit sagen, dass das Virus trotzt der oben genannten Zahlen noch – relativ gesehen – harmlos ist.

Dementsprechend gibt es uns die Möglichkeit, viele Dinge zu lernen, die bei einem Ausbruch einer weitaus gefährlicheren Epidemie notwendig sein würden.

Außerdem wird es in 9 Monaten wieder mehr Kinder geben …